Bevor morgen mit der FIS-Abnahme offiziell das Skifliegen in Vikersund starten kann, möchten wir euch noch eine technische Innovation vorstellen. Allzu viel dürfen wir noch nicht verraten, da es sich nach wie vor um einen Prototypen handelt. Soviel darf aber schon mal gesagt sein: es ist etwas Revolutionäres, das das Auftragen der Eisspur für Veranstalter und Schanzenbetreiber massiv vereinfacht.
Erstmals in der Geschichte wird mit diesem Ansatz ein neuer technologischer Standard in der Eispräparation von Anlaufspuren gesetzt. Ziel des Projekts ist es, den manuellen und körperlich belastenden Arbeitsaufwand der Schanzenbetreiber deutlich zu reduzieren und die Reproduzierbarkeit sowie Qualität des Eisaufbaus technologisch zu optimieren.
Konkret heißt das: Bisher musste man mühsam stundenlang, in gebückter Haltung und auf Knien die Spur per Hand mit Schneematsch auffüllen. Dieses Schnee-Wasser-Matsch Gemisch wird dann von der Kühlanlage runtergekühlt und friert schließlich zu einem Eisblock. Für diesen „Eiseinbau“, wie wir ihn nennen, braucht es mindestens 2 bis 3 Leute für mehrere Stunden, die körperlich sehr gefordert sind. In Zukunft soll dies ein vollautomatischer 3D- Eisdrucker übernehmen.
Dieses „3D‑Eisdruckverfahren“ ermöglicht die Herstellung von homogenem, glasklarem und transparentem Eis entlang der gesamten Anlaufspur.
Jetzt wirds technisch: Dieses klare Eis sorgt für einen direkten Wärmeübergang (1:1) zwischen Kälteaggregat und Eisoberfläche, was eine maximale thermische Effizienz gewährleistet und die Spurtemperatur stabiler hält.
Über viele Jahre hinweg wurden unterschiedliche technische Lösungen im Bereich der Eisspurpräparation erprobt. Mit dem nun realisierten Verfahren sind wir kurz davor, diese Technologie industriefähig zu entwickeln und prozesssicher umzusetzen. Der jährliche Eiseinbau kann dadurch künftig vollständig technisch automatisiert erfolgen – ohne zusätzliche Bewässerungsleitungen, manuelle Aufbauten, um den Schneematsch auf die Spur zu bekommen. Dadurch erhöht sich sowohl die Betriebssicherheit als auch die Präzision der Eisstruktur erheblich.
Wäre heute der erste April, würden wir mit unserem 3D-Eisdrucker vermutlich schallendes Gelächter ernten. Bis zu einem gewissen Grad auch verständlich, denn sich einen 3D-Eisdrucker vorzustellen klingt so wie einen Sack Pressluft im Handwerkermarkt abzuholen. Nämlich nach absolutem Blödsinn.
Dass es aber möglich ist, seht ihr hier in Vikersund. Entlang einer Anlaufspurlänge von 136 Metern haben wir feinstes Eis „gedruckt“.
Euer Peter Riedel







